Wirbel um die neue Erfurter Umweltzone
Seit Montag gilt für Erfurt ein neuer Luftreinhalteplan - und der sieht vor, dass für die Landeshauptstadt als erste Thüringer Stadt eine Umweltzone für die Innenstadt gilt. Wer ab 1. Oktober keine grüne Plakette am Fahrzeug hat, darf nicht rein. Definitiv sei das aber noch nicht. Denn der Brief vom Landesverwaltungsamt war auch gestern noch nicht bei hiesiger Verwaltung angekommen.
Erfurt. "Wir sind und bleiben aber gelassen", sagt Uwe Spangenberg, Beigeordneter für Stadtentwicklung und Umwelt. Stadt, IHK und Handwerkskammer hatten noch den Versuch unternommen, die Umweltzone von Erfurt abzuwenden. "Ein ehrenwerter Versuch. Aber wenn es nicht reicht, führen wir die Zone eben ein", so Spangenberg. Zudem sei die Luftqualität auch ein Gut, das man nicht ignorieren sollte. "Modellrechnungen für Erfurt haben gezeigt, mit der Umweltzone kommen wir unter die Grenzwerte", sagt Spangenberg in Richtung all jener, die die Sinnhaftigkeit einer solchen Zone anzweifeln.
"Ich rate zu mehr Gelassenheit. Viele Städte haben die Zone schon. Es ist nicht der Untergang des Vaterlandes."
Ist die Post vom Landesverwaltungsamt endlich da, soll eine Infokampagne anrollen. Die Fahrzeughalter sollen informiert werden, wo genau die Zone beginnt und endet und wer eine Sondergenehmigung bekommen darf. Die Grundlagen dafür sollen nun auch erarbeitet werden. 13.000 Fahrzeuge sind es in etwa in Erfurt noch, die plakettenlos sind. "Für alle 13.000 wird es natürlich keine Ausnahmegenehmigung geben. Die müssen schon wirklich begründet sein."
Etwa 60.000 Euro schätzt die Stadt, wird das Einrichten und Organisieren der Umweltzone kosten. Zum Beispiel für Schilder. "Und oder für Personal", so Spangenberg. Es sei noch ungewiss, ob man dafür Mitarbeiter aus eigenen Reihen nimmt oder aufstockt. Kontrolliert werden soll der Besitz einer Plakette über die normalen Verkehrskontrollen. Dies koste die Stadt keinen Euro extra. Und wenn ab Herbst eine Hochschwangere in einem Auto ohne grünen Punkt in die Stadt gebracht wird, "wird auch keiner auf die Idee kommen, dem Fahrzeughalter einen Strick daraus zu drehen", sagt Spangenberg.
Halter eines Dieselfahrzeuges sollten anhand des Fahrzeugscheines in ihrer Werkstatt, beim Tüv oder bei der Dekra abklären, ob sie die grüne Plakette bekommen. "Ich fahre einen acht Jahre alten Diesel und habe sie bekommen", so Spangenberg. Halter eines antiquierten Fahrzeuges sollten
prüfen, ob sie eine Ausnahmegenehmigung erhalten oder nachträglich einen Rußpartikelfilter einbauen lassen wollen. Dafür hält der Bund 30 Millionen Euro an Förderung bereit. "Nach dem Windhundprinzip: Wenn es alle ist, ist's alle. Man sollte sich also beeilen", so der Beigeordnete. Und wer von seinem Auto und dessen Eigenheiten gar keine Ahnung hat, ist mit Kfz-Schein in einer Werkstatt in fünf Minuten schlauer. Benzinbetriebene Rasenmäher und Laubpuster sind ausgenommen von der Umweltzone.
Einen Imageverlust für Erfurt sieht Uwe Spangenberg nicht. "Im Gegenteil. Eine Umweltzone ist doch inzwischen Allgemeingut geworden. Viele Städte in Deutschland haben sie, wir befinden uns dann in guter Gesellschaft."
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