Hallo Community,
ein glückliches Biker-Paar meldet sich aus dem Urlaub zurück. Drei Wochen und 4000 km liegen hinter uns, in denen wir zunächst den Schwarzwald und den Elsass, danach die Route des Grandes Alpes und schließlich Korsika unter die Reifen genommen haben.
Natürlich stieg das Reisefieber vor der Abreise mit jedem Tag mehr an. Bevor wir am Montag, den 22. August, endlich losdüsten, haben wir den Sonntag mit packen, Satteltaschen festschnüren, Kette fetten an Tülays ER 6, volltanken, Luftdruck messen, Probefahrt mit vollem Gepäck und Stoßgebeten für gutes Wetter nach diesem Sch…Sommer verbracht. Werkzeug überprüft, Verbandkasten aufgefüllt, Sicherungen dabei, Klebeband, Isolierband, Schnellverbinder, Taschenlampe, Kombiwerkzeug… verdammt, bestimmt fehlt noch was!
Nee, fehlte nix.
Die kleine Kawa hatte auch noch einen neuen Hinterreifen spendiert bekommen und so konnten wir uns gut vorbereitet ins Abenteuer schmeißen.
Der erste Tag war ganz nach Tülays Geschmack: Autobahn! Ab in den Süden, der Sonne hinterher. Waldautobahn, Würzburg, Stuttgart, Rottweil, fertsch. Ich fand’s grottenlangweilig, aber wir kamen recht bald am Schwarzwald an und steuerten unserem ersten Etappenziel entgegen, der Pension Schutterblick im Schuttertal. Viel schöne Gegend und eine zentrale Lage, die unserem Plan, von hier aus verschiedene Sehenswürdigkeiten der Region anzusteuern, entgegenkam, hatten uns hierher geführt. Der Wirt ist selbst Biker, die Moppeds hatten es schön gemütlich in einer Garage und das Zimmer war völlig in Ordnung. Allerdings lag es über der Küche und so wussten unsere Nasen immer genau, welche Bestellungen die angegliederte Gaststätte am Abend gerade zubereitete. Nicht so schlimm, das Essen war dafür wirklich gut. Zudem konnten wir uns beim Frühstück immer auch gleich ein Carepaket für den Mittag vorbereiten.
Das Wetter!
Die Landschaft!
Die Orte!
Schwarzwal ist wirklich toll.
Natürlich erinnert auch manches an unseren Thüringer Wald, aber die Gegend ist noch abwechslungsreicher, lieblicher. Die Sonne meinte es sehr gut mit uns, so dass es auch in den Höhenlagen immer richtig warm war. Sehr gut haben uns Ausflüge zu den Triberger Wasserfällen und zum Titisee gefallen, auch Freiburg ist eine wunderschöne, lebendige Stadt, die mit ihren „Bächle“ für Abkühlung in der heißen Jahreszeit sorgt. Füße reinhalten –aaaaah!
Unglaublich – die Stadt ist so groß wie Erfurt, aber im Vergleich wesentlich lebendiger, quirliger und jünger. Fast schon mediterran. Angesichts solcher Stadterlebnisse frage ich mich manchmal, ob man bei uns nicht manche Städte bis zur Seelenlosigkeit museumsreif totsaniert hat. Aber das ist ein anderes Thema…
Elsass ist fast noch toller.
Hier reichte die Zeit nur für einige Einblicke, aber die waren wirklich den Besuch wert. So haben wir die Stadt Colmar besucht, die mit so viel Liebe zum Detail ihre mittelalterlichen Fachwerkstrukturen erhalten hat, dass man mit dem Gucken und Fotografieren gar nicht hinterherkommt. Was einzig die Lebensqualität schmälern dürfte sind – die Touristen, also wir. Wir sind einfach zu viele.
Ganz in der Nähe hat uns ein Tourentipp des ADAC in ein kleines Dorf geführt, das uns fast die Sprache verschlagen hat: Eguisheim. Der Ort besteht aus drei ringförmig angelegten Sträßchen oder Gassen, in deren Mittelpunkt sich ein kleines Schloss und eine Kirche befinden. Das Dorf quillt über vor Blumen! Und ein Haus ist ansehnlicher als das andere. Angesichts der vielen halbrund gefertigten Eingangstüren habe ich mich zu den Hobbits aus „Herr der Ringe“ versetzt gefühlt. Drei Tage nach unserer Abreise war ein großes Weinfest angekündigt. Wir haben sehr bedauert, dass das nicht besser gepasst hat, die Atmosphäre in diesem Kleinod muss bei so einer Veranstaltung einzigartig sein.
Die vom letzten deutschen Kaiser, Wilhelm II., ausgebaute mittelalterliche Burg „Haut Koenigsbourg“ habe ich mir dann einmal allein angeschaut. Tülay wollte lieber etwas gegen ihre immer viel zu blasse Hautfarbe tun.
Auch dies war ein lohnender Ausflug, insbesondere die zu Beginn des letzten Jahrtausends bereits eingesetzten ingenieurtechnischen Gerätschaften haben mich in Erstaunen versetzt. Für das Prestigeobjekt auf den Franzosen im Deutsch-Französischen Krieg abgetrotztem Gebiet scheute man weder Mühen noch Kosten.
Apropos Krieg – auf der Rückfahrt über den Rhein in unser am vierten Tag fast schon heimatliches Schuttertal konnte ich noch einen Blick auf eine erhaltene Bunkeranlage der ehemaligen Maginot-Linie werfen. Ein Mahnmal für den gescheiterten Versuch der Franzosen, den GröFaZ bei seinem irrwitzigen Mordzug durch halb Europa aufzuhalten. Ein düsterer Ort.
Umso schöner, wie frei man sich heutzutage über diese Grenze bewegen kann und wie freundlich einem die Menschen (in aller Regel) begegnen.
Dann wurde es langsam Ernst! Schließlich wollten wir noch hoch hinaus…
Hühner gesattelt und am fünften Tag ging es dann also ab ins Ausland. Die Schweiz wartete auf uns, Etappenziel: Lac de Neuchatel, Übernachtung in Portalban am Südufer. Eine schöne Fahrt, auf der wir noch erfolgreich versuchten, den Schweizer Wegelagerern auf der Autobahn zu entgehen (auf der Rückreise mussten wir dann kapitulieren und doch noch die 40 Euronen für die Vignette abdrücken). Abseits der großen Straßen und bei der Umfahrung von Basel mussten wir dann feststellen, dass wir nicht mehr im Euro-Land waren – nicht mal bei McDonalds wurden wir noch ohne Fränkli bedient. Um nicht zu verhungern haben wir dann also in Lausanne am nächsten Tag etwas Geld getauscht und diese schöne Stadt am Genfer See auch gleich noch bei einem ausgiebigen Spaziergang besichtigt. Da war er dann auch: unser einziger Regen bis zur Rückkehr! Nicht schlimm, nur mein blütenrein weißes Bike war beschmutzt, schnüff.
Schon wieder im Trockenen ging es dann immer am Seeufer entlang Richtung Genf.
Was für eine wohlhabende Gegend.
(Das war jetzt die höfliche Formulierung. Denn eigentlich:)
Das stinkt da vor lauter Geld!
Trotzdem, wir haben es genossen. Sehr beeindruckt hat uns der Platz der Nationen, wo die UNO ihren Sitz hat und wo ein riesiger Stuhl mit einem halb abgerissenen Bein als gigantischer Protest gegen Landminen installiert ist. Wenn es doch nur etwas nutzen würde.
Kurz hinter Genf passierten wir dann die Grenze nach Frankreich – und da war sie dann: die erste Alpenetappe.
Nichts hat uns in der Planung unserer Reise so beschäftigt, wie die Strecke durch die Alpen. Ich hatte von Anfang an gesagt, wie gern ich das einmal durchziehen würde, nachdem ich in den letzten Jahren einige wunderschöne Erfahrungen in Österreich und Italien gesammelt hatte (Jaufen-Pass, Penser Joch, Großglockner-Hochalpenstraße zum Beispiel). Und nun die rund 700 km über die höchsten Alpenpässe überhaupt, die „Route des Grandes Alpes“! Und Tülay? Hat Bedenken angemeldet. Klar, im Jahr 2 nach dem Führerscheinerwerb war das ein ganz schöner Klops, der da wartete. Und so haben wir am Start und am Ende ein wenig „gekappt“ und etwa 200 km weggelassen. Aber sie wollte das mit mir durchziehen, die Tapfere. Hat sie dann auch, und wie!
Nach Genf ging es also aufwärts. Die ersten Serpentinen und Kehren waren weit und gut ausgebaut und wir fuhren an diesem Tag nur noch bis Le Grand Bornand.
Das war unser Einstieg in die eigentliche Route, die uns in den nächsten Tagen über Pässe führte, die man aus der Übertragung der Tour de France kennt. Col de Telegraph, Col du Galibier, Col de L’Iseran, Col d’Izoard, Col de Cayolle (eventuelle Schreibfehler schenke ich Euch)… das Gefühl, wenn man am Pass angelangt ist und sich eine unfassbare Aussicht auf die höchsten Alpengipfel vor dem weit aufgerissenen Auge auftut, kann man nicht beschreiben. Diejenigen, die schon einmal den Mont Blanc vor Augen hatten, wissen, was ich meine.
Dafür hat der liebe Gott das Motorrad fahren erfunden.
Apropos Tour de France. Bei den Passauffahrten dachte ich ja schon angesichts der vielen Radsportbegeisterten, die sich da hochmühten: Wie bekloppt muss man sein, um hier hochzustrampeln?
Was mir allerdings gar nicht in den Kopf geht, sind die Abfahrten.
Natürlich alles reine Kopfsache, aber es gibt schon ein merkwürdiges Gefühl in der Magengrube, wenn man an manchen Stellen auf einer sehr schmalen, neu geteerten, fast schwarzen und unmarkierten Straße fährt, die rechts und links kaum erahnen lässt, wie tief es da runter geht. Also immer schön halblang beim Runterfahren… aber ein FAHRRADRENNEN!?!?! Nee, danke, hab’ schon.
Ich kann die Route wirklich nur jedem empfehlen, da geht zumindest in Europa nichts drüber (nicht nur wegen der Höhe).
Schöne Episode zwischendurch war unsere Übernachtung in Pra Loup, ein im Sommer ziemlich verwaister Wintersport-Ort in der Nähe von Barcelonnette. Unser „Hotel“ war ein kleiner Familienbetrieb, eigentlich mehr eine große Holzhütte, wo wir das beste Zimmer mit zwei verglasten Seitenwänden bekommen haben. Unverbauter Blick direkt über das Tal auf die umliegenden Berge – umwerfend. Und auf dem Bett lag ein großes Bärenfell (so, Jungs, Fantasiemodus an).
Nach Pra Loup ging es dann langsam aber sicher abwärts, aber nur mit den Höhenmetern. Mit den Temperaturen ging’s merklich hoch. Das war auch gut so; als wir Val d’Isere durchquerten war es etwa 5 Grad „warm“ (bei völlig wolkenlosem Himmel). Morgens vor unserer Ankunft dort hatte es laut Wetterbericht sogar Frost gegeben.
Es war auch bei der Vegetation spürbar: das Mittelmeer nahte. Bevor wir jedoch Nizza erreichten, hatten wir am letzten 2000er Pass, dem Col de Cayolle, noch eine Schrecksekunde zu überstehen. Bei der kurzen Pause an der Passhöhe dampfte und zischte Tülays Kawa – ihr war zu heiß geworden und sie ließ Kühlflüssigkeit ab. Zum Glück kriegte sie sich aber wieder ein, der Kühlflüssigkeitsstand blieb völlig im grünen Bereich und wir konnten, allerdings mit einem mulmigen Gefühl, weiterfahren. Ein fantastisches Naturerlebnis ließ uns dann den Stress vergessen (der im Übrigen auch folgenlos blieb, bis auf kurze Hitzeattacken hat die Maschine am Ende alles gut überstanden): die Durchfahrt durch die Gorges de Daluis, ein tiefer Canyon mit abenteuerlich eingebauter, kurviger Straße. Herrlich!
Und dann lag sie vor uns. Die Cote d’Azur mit ihrer mondänen Perle Nizza.
Und ihrem Verkehrschaos.
Hallo, liebe Motorradtouris, bienvenue in Froonkreisch, hier fährt jetzt mal jeder wie er will und keiner wie er soll und alle machen mit und zwar so schnell wie es geht und so laut wie es geht und auf so vielen Spuren nebeneinander wie mancher Franzose vielleicht gern Liebhaberinnen hätte.
Uff.
Also dann mal rasch zur Fähre und nix wie weg.
Korsika ruft.
Aber davon erzähl‘ ich dann ein anderes Mal.
(to be continued…)
Hier ein paar Bilder (hoffe, das klappt - ist aber durcheinander):
Abfahrt - endlich!.jpgAm Col d'Izoard.jpgAm Rhein.jpgCol d'Iseran.jpgCol du Galibier.jpgColmar.jpgEguisheim Schloss.jpgEguisheim.jpgGenf - UNO.jpgHaut Koenigsbourg.jpgHobbit-Heim.jpgLe Grand Bornand.jpgMaginot-Linie.jpgMont Blanc.jpgOhne Worte....jpgPra Loup.jpgSchwarzwaldpanorama.jpgTitisee.jpg


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PN








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, da spielt es keine Rolle ob die durcheinander sind, das geht ausserdem jeden von uns so
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