Hallo Leute,
da ich 44 Semester an der Lomonosow-Unität in Moskau auf Verbrennungsmotoren studiert habe (Spezialisierung: „Warum springen VX800 – Motoren nach der Winterpause schlecht an?“), gebe ich hier auch mal meinen Senf dazu.
Motoren die längere Zeit nicht gelaufen sind, springen allgemein schlecht an. Dafür sind mehre Faktoren ausschlaggebend:
1. Je weniger Zylinder umso schlechter ist ein Motor zu starten.
2. Da beim Abstellen immer ein oder mehrere Ventile offen bleiben, dichten diese Ventile nach längerer Stehzeit durch verkrusten von Verbrennungsrückständen und teilweise Korrosion am Sitz nicht mehr richtig ab.
3. Die Kolbenabdichtung sinkt je nach Einbauspiel und Verschleiß durch abtropfendes Öl mitunter über 40% (Leaktests bei Flugmotoren).
4. Der Kraftstoff verflüchtigt sich im Vergaser schneller als im Tank ,nicht weil er mit dem Alu reagiert (Eule), sondern weil die den Sprit umgebende Oberfläche (komplettes Schwimmergehäuse) im Verhältnis zur Kraftstoffmenge viel größer ist, als das Verhältnis von Tankvolumen zur umgebenden Tankoberfläche (Volumen = 3. Potenz).
5. Dadurch fehlen im Vergaser–Kraftstoff unter Umständen die leicht entzündlichen Bestandteile oder die Vergaser sind eventuell ganz leer (VX800 vorderer Vergaser).
Dass ein Anlassen mit gesunder Batterie erfolgt setze ich voraus!!
Beim naiven Umdrehen des Zündschlüssels nach langer Pause passiert dann im Schlimmsten folgendes:
Der Motor verdichtet schlecht – dadurch wenig Unterdruck am Vergaser – dadurch keine ordentliche Gemischaufbereitung – dadurch kommt unvergaster, schlecht zündender Kraftstoff nach langem Starten (nicht gut gefüllte oder leere Schwimmergehäuse) in den Brennraum – durch schlechte Verdichtung entzündet sich das minderwertige Gemisch nicht - dadurch wird die Kerze nass und funkt nicht mehr – und dadurch springt halt der Motor nicht an.
Oftmals erlebt man nach langer Pause das der Motor beim ersten Laufenlassen leichtes Patschen oder Fehlzündungen hat – das ist die Folge von schlecht dichtenden Ventilen und schlecht zündenden Gemisch.
Wirklich Sicher geht man folgendermaßen vor:
Batterie
prüfen (ganz kurz Kurzschließen und mittels Spannungsmesser
prüfen ob sich die Spannung wieder erholt). Zündkerzen ausschrauben und den Motor ohne Kerzen bei offenen Benzinhahn und gezogenen Choke einige Zeit starten (Kerzen im Stecker lassen und auf Masse legen!!!). Dabei wird das schlechte Gemisch entsorgt und der Motor hat die Möglichkeit einen Ölfilm neu aufzubauen. Kerzen wieder einbauen – in dieser Zeit kann sich die Batterie erholen – und wieder Starten. Bei mir springt dann der Motor immer an. Die Kompressionsdefizite sind in der Regel nach kurzer Laufzeit wieder weg.
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