Eine gute körperliche Verfassung gehört zu den wichtigsten Bestandteilen einer erfolgreichen Rennsaison. Entgegen der gängigen Meinung gilt dies nicht nur für Profis, auch Hobbypiloten profitieren spürbar von einer guten körperlichen Grunddisposition.

Teil 1

Der Schweiß fließt, die Arme schmerzen, das Herz schlägt bis zum Hals. Sportliches Motorradfahren ist Knochenarbeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten wird beim Brennen auf der Rennstrecke der gesamte Körper belastet. Die vorderradorientierte Sitzposition und die Bremsphasen gehen zu Lasten der Unterarme und Handgelenke, beim Beschleunigen stemmt sich der Pilot in die Rasten und fordert so die Beinmuskulatur. Um das Bike immer unter Kontrolle zu halten, sind darüber hinaus gute Rumpfmuskeln und ein hohes Maß an Körperspannung nötig.

Ist der Körper für derartige Belastungen nicht ausreichend trainiert, spürt man das neben Muskelschmerzen vor allem an der nachlassenden Konzentration - was im Extremfall zum Sturz führen kann.

Aus diesem Grund sollte jeder, der regelmäßig mit dem Motorrad auf der Rennstrecke unterwegs ist darauf achten, zum Saisonbeginn ein Mindestmaß an körperlicher Fitness mitzubringen. Um dies zu erlangen, sind neben einem festen Willen vor allem zwei Faktoren wichtig: professionelle Betreuung und ein möglichst früher Trainingsbeginn. Mit Unterstützung von IDM-Pilot Pascal Eckhardt erklärt PS, wie Sie es schaffen, bis zur Saison topfit zu sein.
Um den aktuellen Fitnesslevel festzustellen und zu wissen welche Trainingsschwerpunkte man setzen muss, gibt es eine Vielzahl von Tests: Hier erläutert Physiotherapeutin Christina Erben IDM-Pilot Pascal Eckhardt die Entwicklung der Laktatwerte bei wachsender Belastung.
Vor dem Training steht der Laktattest: Nur wer sein aktuelles Fitnesslevel kennt, kann gezielt trainieren. Ein optimaler Trainingsplan braucht professionelle Beratung. Ausdauertraining ist für Hobbyfahrer und Profis extrem wichtig. Basisarbeit: Fahrradfahren trainiert die Grundausdauer. Auch der PS-Rookie durchlief schon eine Fitness-Untersuchung bei Ortema. Experte Stefan Bettels legt besonderen Wert auf... ...Beweglichkeit im Beinbereich. Gerade im Straßensport beim Hanging-off unerlässlich.

FITNESSANALYSE

Nur wer sein aktuelles Fitnessniveau kennt, kann gezielt trainieren. Sportinstitute wie Ortema und Europeansports sind darauf spezialisiert, die körperliche Fitness von Breiten- wie Profisportlern zu testen und einen individuell angepassten Trainingsplan zu erstellen. Bei Ortema kostet ein Zweieinhalb-Stunden-Test 194 Euro - eine lohnenswerte Investition, die den Grundstein für effektives Training und optimale Fitness über die gesamte Saison legt. Bei diesem Test werden Kraft, Oberkörper- und Beinmuskulatur, Beweglichkeit, Haltung, Balance sowie Defizite ermittelt. Kernpunkt der Untersuchung ist die Laktatmessung, die Auskunft über den aktuellen Fitnessstand gibt.

Pascal Eckhardts Physiotherapeutin Christina Erben erklärt, wie die Laktatmessung funktioniert: "Laktat fällt an, wenn bei großer körperlicher Belastung die Sauerstoffversorgung zu gering ist und der Körper Kohlenhydrate verbrennt. Die Folgen von Laktat sind Schmerzen durch Reizung der freien Nervenenden, zudem fällt der pH-Wert des Körpers, was zu einer Übersäuerung des inneren Milieus führt. Ab einem Laktatwert von etwa 6-8 mmol/Liter (1 mmol = ein tausendstel Mol, ein Mol entspricht etwa 6x10²³ Teilchen eines Stoffes), sinkt allmählich das Verständnis für Technik, Taktik und Koordination - Dinge, die ein Motorradfahrer während eines Rennens unbe-dingt benötigt."

Laktatwerte lassen sich generell in verschiedene Bereiche einteilen. Unter 2 mmol/L arbeitet der Körper im aeroben Bereich: Der Puls ist relativ niedrig, der Muskulatur steht genügend Sauerstoff zur Verfügung. Zwischen 2 und 4 mmol/L gibt es einen Übergangsbereich, in dem der Muskulatur förmlich die Luft ausgeht und der Körper allmählich vom aeroben, fettverbrennenden in den anaeroben, kohlenhydratverbrennenden Bereich rutscht. Ab zirka 4 mmol/L befindet man sich dann im anaeroben und damit schädlichen Bereich, der Puls ist entsprechend hoch. Diese Werte sind allerdings lediglich grobe Anhaltspunkte - nur mit einer individuell ermittelten anaeroben Schwelle lässt sich ein optimaler Trainingsplan erstellen.

Steht das aktuelle Fitnesslevel fest, geht es ans Trainieren. Generell sollte der Trainingsplan eines Hobbyracers aus vier Säulen bestehen: Ausdauertraining, Krafttraining, Mentaltraining, Erholung.
Ausdauertraining ist für Hobbyfahrer und Profis extrem wichtig.

AUSDAUERTRAINING

Eine gute Grundausdauer ist die wichtigste Voraussetzung für eine konstante Leistung über den gesamten Renn- und Saisonverlauf. Nur wer bis zum Zielstrich fit bleibt, fährt vorne mit. Darüber hinaus verlangsamt gezieltes Ausdauertraining den Laktatanstieg und vermeidet so Probleme, die durch zu hohe Laktatwerte entstehen, beispielsweise Konzentrationsschwächen und Muskelübersäuerung. Das Herz-Kreislauftraining orientiert sich strikt an den Ergebnissen der Laktatmessung und dem daraus erstellten Trainingsplan, der Trainingsdauer und Herzfrequenzen enthält. Als Trainingsgerät eignen sich Hometrainer oder Fahrrad. Joggen trainiert ebenfalls die Ausdauer und tut dazu noch der Psyche gut. Letztlich bleibt es der persönlichen Vorliebe überlassen, ob man sich fürs Fahrrad oder die Laufschuhe entscheidet, beide Trainingsformen sind in etwa gleich effektiv.

Bei allen Trainingsformen gilt: nicht übertreiben! Oft überlasten Sportler aus Unwissenheit ihren Körper, was definitiv schadet statt nützt. Die Faustregel für Trainingsanfänger: Den Körper nur so stark belasten, dass jederzeit noch problemlos eine Unterhaltung möglich ist.

Auch für's eigene Heim gibt es einige Grundlegende Übungen: Hier: Nackendrücken mit der Kurzhantel. Diese Übung trainiert den gesamten Schulterbereich, mit die wichtigste Muskelgruppe beim Motorradfahren auf der Rennstrecke. Vorn auf eine Stuhlkante setzen und beide Hanteln zeitgleich nach oben stemmen. Arme und Rücken nicht komplett durchstrecken.

KRAFTTRAINING

Das Krafttraining sollte speziell auf die Bedürfnisse des Motorradsports abgestimmt sein. Es sollte Übungen zur Körperspannung sowie spezielles Training einzelner Muskelgruppen enthalten. Straßensportpiloten sollten vor allem Trizeps, Schulter und Nacken trainieren, um den Verzögerungskräften entgegenzuwirken, für Offroadfahrer lohnen sich außerdem Übungen für den Oberschenkelbereich.

Teil 2

MENTALTRAINING

Viele Piloten trainieren zwar ihren Körper, vernachlässigen aber das Training ihrer psychischen Ressourcen. Dabei ist gerade Konzentration einer der wichtigsten Sicherheits- und Erfolgsfaktoren im Rennsport. Eine gute mentale Vorbereitung auf die Saison sollte deshalb ein fester Bestandteil des Trainingsplans sein.
Da jeder Pilot mit anderen psychischen Wehwehchen kämpft, sollte man für eine optimale Saisonvorbereitung einen Experten aufsuchen. Sportinstitute, Sport-Universitäten und Olympiastützpunkte eignen sich als erste Anlaufstelle, um nähere Informationen zu bekommen.

Bereits einfache Übungen helfen, die Konzentration zu schulen: Zu Hause zwei Radiosender gleichzeitig einschalten und versuchen, nur einem zuzuhören und den anderen auszublenden beispielsweise. Oder so lange wie möglich eine Kerzenflamme beobachten und darauf achten, wann die Gedanken abschweifen.
Vor dem Start spalten sich Motorradrennfahrer psychologisch betrachtet in zwei Lager: Die "Kognitiven Vermeider", die versuchen, alle Einflüsse von außen auszublenden und sich zu sammeln und die "Wachsamen Bewältiger", die bis kurz vor dem Start Informationen sammeln.
Allein diese Unterteilung führt die Komplexität des Themas Mentaltraining vor Augen und zeigt, wie wichtig eine individuelle Betreuung in diesem Bereich ist.

ERHOLUNG

Ein weiterer Punkt, der häufig unterschätzt wird, ist das Thema Erholung. Viele Sportler trainieren zu viel - mangels professioneller Beratung oder aus falschem Fleiß heraus. Zuviel Training schadet dem Körper mehr als dass es nutzt und ist einer der häufigsten Gründe, warum ehrgeizige Ziele nicht erreicht werden.
(Quelle:PS)
Deshalb gilt grundsätzlich: Nach einem harten Trainingstag, einem langen Lauf oder einer 150-Kilometer-Rundfahrt mit dem Rennrad am besten ausschlafen, den Körper nur mäßig belasten und danach zur Entspannung in die Sauna gehen oder in aller Ruhe ein wenig im Forum der Thüringenbikers stöbern.